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	<title>Fachtag &#8211; patasona</title>
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		<title>Video des Vortrags &#8222;Behandlung der Opfer&#8220;</title>
		<link>https://patasona.de/video-des-vortrags-behandlung-der-opfer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[patasona]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Oct 2019 11:21:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychotraumatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Fachtag]]></category>
		<category><![CDATA[transgenerational]]></category>
		<category><![CDATA[transgenerativ]]></category>
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					<description><![CDATA[Hier finden Sie den Videomitschnitt des Eröffnungsvortrags zum 2. Fachtag &#8222;Trauma &#38; Gewalt &#8211; transgenerativ beleuchtet&#8220;, der am 27.09.2019 in Berlin-Lichtenberg stattfand. An dem Fachtag, gefördert durch den Gewaltpräventionsfonds des Landes Berlin, nahmen über 50 Personen aus dem sozialen, Gesundheits- und Bildungsbereich teil.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Hier finden Sie den Videomitschnitt des Eröffnungsvortrags zum 2. Fachtag &#8222;Trauma &amp; Gewalt &#8211; transgenerativ beleuchtet&#8220;, der am 27.09.2019 in Berlin-Lichtenberg stattfand. An dem Fachtag, gefördert durch den Gewaltpräventionsfonds des Landes Berlin, nahmen über 50 Personen aus dem sozialen, Gesundheits- und Bildungsbereich teil.</p>



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		<title>Vortrag &#8222;Die Behandlung der Opfer&#8220;</title>
		<link>https://patasona.de/vortrag-die-behandlung-der-opfer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[patasona]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Oct 2019 17:18:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychotraumatologie]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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					<description><![CDATA[2. Fachtag Trauma &#38; Gewalt – transgenerativ beleuchtet 27.09.2019 in der JFE HolzHaus Berlin-Lichtenberg von Patric Tavanti Auf unserem diesjährigen Fachtag „Trauma &#38; Gewalt“ beleuchten wir das Thema „transgenerativ“, also wie Psychotraumata von der Erlebnis­generation auf die nachfolgenden Generationen vererbt oder an sie wei­tergegeben werden. Und welche Auswirkungen diese transgenerativen oder transgenerationalen Traumata für die &#8230;<p class="read-more"> <a class="" href="https://patasona.de/vortrag-die-behandlung-der-opfer/"> <span class="screen-reader-text">Vortrag &#8222;Die Behandlung der Opfer&#8220;</span>weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2. Fachtag Trauma &amp; Gewalt – transgenerativ beleuchtet</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>27.09.2019 in der JFE HolzHaus Berlin-Lichtenberg</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">von Patric Tavanti</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf unserem diesjährigen
Fachtag „Trauma &amp; Gewalt“ beleuchten wir das Thema „transgenerativ“, also
wie Psychotraumata von der Erlebnis­generation auf die nachfolgenden
Generationen vererbt oder an sie wei­tergegeben werden. Und welche Auswirkungen
diese transgenerativen oder transgenerationalen Traumata für die Familie, aber
auch für ihre Umwelt haben und welche Dynamiken sie in Gang bringen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Xx Mir wird immer wieder
gesagt, dass das Thema ja hochaktuell sei, „ge­rade jetzt, mit den ganzen
Flüchtlingen…“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich will diese
einführenden Worte dafür nutzen, unseren Blick zu weiten. Das Thema
„transgenerationale Traumata“ ist uns vielleicht durch die schwierige Situation
der geflüchteten Menschen besonders bewusst ge­worden. Aktuell, wenn auch kaum
beachtet, ist es aber schon seit vielen Ge­nerationen – nicht nur in
Deutschland und nicht nur durch Menschen, die hier Schutz und Sicherheit
suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behandlung der Opfer ist
ein Buchtitel von Klaus Ottomeyer<a href="#_ftn1">[1]</a>. Er ver­weist darauf, dass
er diesen Titel gewählt hat, da ihm die Doppeldeutig­keit wichtig sei, nämlich,
wie wir die Opfer therapeutisch behandeln, aber auch, wie wir die Opfer im
Alltag behandeln, wie wir mit ihnen umgehen &#8211; oder eben auch nicht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie behandelt unsere
Gesellschaft, also wir, die Verfolgten, Gefolterten, Versklavten der NS-Zeit, die
Opfer des II. Weltkriegs mit Bombenterror, Belagerungen und Straßenkämpfen, die
Geflüchteten, Vertriebenen und die über 2 Millionen durch alliierte Soldaten vergewaltigten
Frauen? Wie behandeln wir die Opfer der Stasi und der DDR? Auch aus der DDR
flüchteten Menschen in den sogenannten Westen. Sie hatten alles auf­gegeben und
zurückgelassen, und kamen in eine ihnen „fremde“ Heimat, wo sie erst einmal in
Sammelunterkünften untergebracht wurden. In ei­ner SFB-Reportage aus dem Jahr
1989 beklagte eine Rudowerin, dass die DDR-Flüchtlinge vor der Unterkunft
rumlungerten, nichts zu tun hätten und natürlich auf dumme Gedanken kämen,
vorbeigehende Frau ansprä­chen, stehlen und trinken würden – und dass die
Immobilienpreise nur durch ihre Anwesenheit sicher bald in den Keller gingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir waren nicht gewollt“,
sagte auch meine Großmutter immer wieder, die als Vertriebene 1945 aus Soldin
in Westpommern nach Westberlin kam. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie waren nicht gewollt, sie
wurden nicht gefragt, nicht gehört, nicht ge­sehen. Und sie verstummten, schwiegen
aus Scham, aus Furcht und aus dem Wunsch heraus, dass das Schweigen das Erlebte
zwar nicht ungeschehen macht, aber zumindest vergessen lässt. Und wie in der
Nachkriegszeit, so sagen die Opfer auch heute, Hauptsache ich habe Ar­beit.
Nicht nur als Möglichkeit der Ablenkung, des Verdrängens, sondern auch, um der
Gesellschaft und sich selbst zu beweisen, dass man dazu­gehört, nicht wehleidig
ist, etwas einen Wert hat und einen wichtigen Beitrag leistet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur um zu vergessen,
sondern auch als unbewusste Reaktion auf die innere Leere, die Schuld- und
Ohnmachtsgefühle und das beschä­digte Selbstwertgefühl. Dennoch blieben und
bleiben diese Menschen mit ihren Alpträumen, Ängsten, Wutausbrüchen, psychischen
und kör­perlichen Belastungen unverstanden, allein und oft auch abgelehnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nun reiß Dich mal zusammen.“
– „Das Leben geht weiter.“ – oder – „Du bist nicht mehr der Mensch, den ich mal
geheiratet habe.“ waren Sätze, die sie verstummen ließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute sind sich viele
Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Sozi­olog*innen einig: Die
nachfolgenden Generationen müssen oft unter den Erlebnissen und Erfahrungen
ihrer Vorfahren mitleiden. Oder wie Silke Hassel­mann es formuliert: sie werden
heimgesucht, und zwar frei nach dem Al­ten Testament, 2. Buch Mose, „bis ins
vierte Glied“.<a href="#_ftn2">[2]</a>
Wohl einer der wichtigsten Gründe für diese Heimsuchung ist das Schweigen der
Großeltern und Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Marianne Leuzinger-Bohleber verdeutlicht in ihrem Buch „Chroni­sche Depression, Trauma und Embodiment – eine transgenerative Per­spektive in psychoanalytischen Behandlungen“<a href="#_ftn3">[3]</a>, dass in Deutschland 2,8 Millionen Männer und 3,0 Millionen Frauen von Depression betroffen sind, gut 10% der Bevölkerung. 40% der deutschen Bevölkerung stirbt an Herz-Kreislauf-Erkrankungen<a href="#_ftn4">[4]</a>, rund 18 Millionen Menschen in Deutschland sind an einer Sucht erkrankt<a href="#_ftn5">[5]</a>. Und laut der  „Deutschen Ge­sellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Ner­venheilkunde“ erfüllt bundesweit mehr als jeder vierte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres die Kriterien einer psychischen Erkrankung.<a href="#_ftn6">[6]</a> All das sind Krankheiten, die mit Psychotraumata und Posttraumatischen Belastungsstörungen in Verbindung gebracht werden. Viele weitere, teils unerklär- oder unbehandelbare körperliche Erkrankungen oder Symp­tome können bei genauerer Diagnose auf eigene oder transgeneratio­nale Traumata zurückgeführt werden. Und auch Demenz wird von Teilen der Wissenschaft mit Traumafolgereaktionen in Verbindung gebracht. Dabei sind die meisten der heute an Demenz Erkrankten sogenannte Kriegskinder, die transgenerativ ihre Symptome von ihren Eltern empfan­gen und an ihre Kinder, die Kriegsenkel, weitergegeben haben. Transge­nerative Traumata verwachsen sich nicht mit den Generationen, sie brei­ten sich aus. </p>



<p class="wp-block-paragraph">(Nicht zu vergessen die Opfer
sexualisierter, emotionaler und körperlicher Gewalt in Kinderheimen, im Sport,
der katholischen Kirche…) </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man nun auch noch
bedenkt, dass ca. 30 % aller Kinder bis zu ihrem 18 Lebensjahr psychische
und/oder physische Gewalt erfahren müssen<a href="#_ftn7">[7]</a> und jedes fünfte bis
vierte Mädchen bis zur Volljährigkeit sexualisierte Gewalt erlebt<a href="#_ftn8">[8]</a> und die Täter*innen meist
aus dem engsten Kreis der Familie stammt, dann bekommen wir eine Ahnung von der
Dimension transgenerationaler Traumaweitergabe in unserer Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und darum bin ich der Meinung,
dass Franz Ruppert recht hat, wenn er von einer „traumatisierten Gesellschaft“
spricht<a href="#_ftn9">[9]</a>. In seinem Buch „Wer bin
ich in einer traumatisierten Gesellschaft?“ beschreibt er, wie sich
individuelle Traumata auf die Angehörigen auswirken und diese in die
Gesellschaft ausstrahlen und die traumatisierte Gesellschaft wie­derum auf die
Familien und diese auf das Individuum zurückwirken. Eini­ges von diesen
Dynamiken und Folgewirkungen werden hier heute Thema sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich ist nicht alles
Trauma. Aber ohne zumindest ein Psychotrauma als mögliche Ursache mitzudenken, bleibt
vieles unverständlich, uner­klärlich, und letztlich unbehandelbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Bis ins vierte Glied“<a href="#_ftn10">[10]</a> ist auch ein Buchtitel. Herausgegeben
vom Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und dem Landesbeauf­tragten
für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssi­cherheitsdienstes
der ehemaligen DDR.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mindestens 300.000 betroffene
Personen litten oder leiden noch immer unter latenten oder manifesten
psychischen Beeinträchtigungen als Folge von politisch motivierter Inhaftierung
und anderer Repressalien in der DDR, so das Ergebnis einer Studie von 2003 des
Greifswalder Uni­versitätsprofessors Harald Freyberger.<a href="#_ftn11">[11]</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht jeder traumatisierte
Mensch wird, wie gesagt, auch psychisch krank. Auch indirekt werden Traumata
nicht automatisch und 1:1 auf Kin­der und Kindeskinder übertragen, auch wenn es
Hinweise auf eine gene­tisch bedingte Anfälligkeit gibt. Aber, so Prof. Harald
Freyberger, in ei­nem Bericht des Deutschlandfunks:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Schlimmste, was einem
Menschen in der zweiten Generation pas­sieren kann, ist eben dieses Schweigen.
Er erlebt dann bei seinen El­tern, die ja möglicherweise betroffen sind, oder
bei seinen Großeltern Verhaltensmerkmale, die er sich nicht erklären kann, die
unheimlich sind. Und das verändert natürlich die Beziehung zur Welt und zu den
Men­schen ganz grundsätzlich.“<a href="#_ftn12">[12]</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele traumatisierte Menschen sagen,
dass das Trauma zwar schon schlimm, noch viel schlimmer aber danach die
Erfahrung des Unver­ständnisses, des Weg-redens, des Verharmlosens der Menschen
war, an die sie sich vertrauensvoll gewandt, oder es zumindest versucht hat­ten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behandlung der Opfer im
Alltag… und in der Medizin?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen mit Zuwanderungsgeschichte
haben auch in ihrer medi­zinischen Behandlung genau dieses Unverständnis,
Weg-reden und Ver­harmlosen erfahren müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Migrant*innen kennen die
Konzepte „Psychotrauma“, „PTBS“ oder „Dissoziative Identitätsstörung“ nicht,
sie kennen die psychischen Symp­tome und medizinischen Kriterien nicht. Sie können
sie also auch nicht beschreiben. Aber sie erleben körperliche Symptome und
wenden sich damit hilfesuchend an deutsche Ärzte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf „Bento online“, das Jugendangebot des Magazins Der Spiegel, be­schreibt Yannick von Eisenhart Rothe, wie eine Frau beim Arzt über Schmerzen im Bauchraum klagt. „Weil Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, kann sie kaum beschreiben, wo der Schmerz sitzt und wie stark er ist. Fest steht nur: Es tut weh. Der Arzt verschreibt ein Schmerzmittel und sagt hinterher: &#8222;Das war dann wohl ein Fall von Morbus Mediter­raneus&#8220;.“<a href="#_ftn13">[13]</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was der Arzt wohl damit meinte:
&#8222;Die stellen sich immer so an, die Frauen mit Migrationshintergrund.&#8220;
Diese (rassistische) Zuschreibung va­riiert je nach Herkunft oder auch
aktuellen Flüchtlingsgruppen: &#8222;Morbus Bosporus&#8220;, &#8222;Morbus
Balkan&#8220; oder &#8222;Mamma-mia-Syndrom&#8220;. Oft seien Ärz­tinnen und Ärzte
dann wegen der ungenauen Beschreibung und des ver­meintlichen
&#8222;Jammerns&#8220; genervt, so Yannick von Eisenhart Rothe. Es schiene, als
würden als „deutsch“ angesehene Personen genauer unter­sucht, so ein
Medizinstudent in dem Artikel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Nationale Aktionsplan gegen Rassismus der Bundesregierung[14] von 2017 beschreibt erhöhte Häufigkeiten von schweren psychischen Krank­heiten, weniger therapeutischen Behandlungen und eine erhöhte Suizid­rate bei Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, besonders bei Frauen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Amma Yeboah, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Köln unterstreicht, dass es Studien
gebe, die belegen, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufiger und
schwerer an psychi­schen Störungen erkranken und gleichzeitig viel später
behandelt wer­den. Und sie fügt hinzu, dass das auch ein Ausdruck von
Hilflosigkeit des medizinischen Personals sei. Noch gravierender wäre die
Situation für Frauen mit Migrationshintergrund. Bei Ihnen vermischen sich oft
un­terbewusster Sexismus und Rassismus beim medizinischen Personal zu einer
Abwehrhaltung, die sich in der Zuschreibung „Morbus Mediter­raneus“ ausdrückt
und Patientinnen das Leben kosten kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und damit möchte ich
abschließend zu einem letzten Punkt kommen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behandlung der Opfer, das
Handeln der Betroffenen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Menschen, die sich für
andere, für Gerechtigkeit und Solidarität en­gagieren, die aus Mitgefühl und
innerer Betroffenheit Menschen in schwierigen Situationen helfen, sind oft auch
&#8211; bewusst oder unbewusst -tatsächlich selbst Betroffene, auch wenn sie sich
nicht an die eigenen oder transgenerationalen Traumata erinnern oder überhaupt
von ihnen wissen. Darum möchte ich Sie bitten, wenn Ihnen heute im folgenden Vortrag
oder in den Workshops im wahrsten Sinne etwas unter die Haut geht, sie mer­ken,
dass sie nervös und unruhig werden, schneller atmen, Ihnen heiß o­der
schwindelig wird, dann gehen sie raus, machen sie einen kurzen Spaziergang auf
unserem Außengelände, trinken Sie einen Schluck und wenden Sie sich
vertrauensvoll an die anwesenden Fachleute nachher beim Worldcafé oder in einer
der Pausen. Vielleicht wurden in Ihnen traumatische Erinnerungen getriggert.
Und auch wenn nicht, sprechen sie mit anderen darüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und behandeln Sie sich gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielen Dank!<br></p>



<hr class="wp-block-separator"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1">[1]</a>
Ottomeyer, Klaus, Die Behandlung der Opfer, Stuttgart, 2011</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2">[2]</a> https://www.deutschlandfunk.de/traumavererbung-bis-ins-vierte-glied-traumata-praegen-auch.724.de.html?dram:article_id=343713
(Stand: 24.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3">[3]</a> Leuzinger-Bohleber,
Marianne, Chronische Depression, Trauma und Embodiment – eine transgenerative
Perspektive in psychoanalytischen Behandlungen, Göttingen, 2018</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4">[4]</a> https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/sucht-und-drogen.html
(Stand: 22.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5">[5]</a> https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/gesundheitsgefahren/sucht-und-drogen.html
(Stand: 24.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6">[6]</a> https://www.dgppn.de/schwerpunkte/zahlenundfakten.html
(Stand: 24.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7">[7]</a> Vgl. https://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Gewalt-gegen-Kinder-ist-noch-immer-Alltag,
14.07.2017 (Stand: 22.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8">[8]</a> „Etwa
jedes 4. bis 5. Mädchen und jeder 9. bis 12. Junge macht mindestens einmal vor
seinem 18. Lebensjahr eine sexuelle Gewalterfahrung.“ zitiert: https://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Muetter_Vaeter/2010_wie_haeufig_werden_kinder_missbraucht.php
(Stand: 23.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref9">[9]</a> Ruppert,
Franz, Wer bin ich in einer traumatisierten Gesellschaft?, Stuttgart, 2018</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref10">[10]</a> „Bis
ins vierte Glied – Transgenerationale Traumaweitergabe“, Drescher A., Rüchel,
U., Schöne, J. (Hg), 2015</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref11">[11]</a> https://www.deutschlandfunk.de/traumavererbung-bis-ins-vierte-glied-traumata-praegen-auch.724.de.html?dram:article_id=343713 (Stand: 24.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref12">[12]</a> https://www.deutschlandfunk.de/traumavererbung-bis-ins-vierte-glied-traumata-praegen-auch.724.de.html?dram:article_id=343713
(Stand: 24.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref13">[13]</a> https://www.bento.de/politik/morbus-mediterraneus-das-rassistische-klischee-von-wehleidigen-migranten-a-7eced19d-851a-406e-aeb8-bea60ae28873
(Stand: 24.09.2019)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref14">[14]</a> Nationale
Aktionsplan gegen Rassismus der Bundesregierung, S. 114, Kabinettbefassung am
14. Juni 2017</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Einführungsvortrag zum Fachtag „Trauma und Gewalt“</title>
		<link>https://patasona.de/einfuehrungsvortrag-zum-fachtag-trauma-und-gewalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[patasona]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jun 2019 10:58:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Psychotraumatologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[Fachtag]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Liedloff]]></category>
		<category><![CDATA[Trauma]]></category>
		<category><![CDATA[traumatisierte Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Fachtag „Trauma und Gewalt“ am 15.06.2018 in Berlin Lichtenberg (Patric Tavanti) Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Referentinnen und Referenten, sehr geehrte Frau Stadträtin Framke, ich freue mich sehr, heute hier vor diesem großen Auditorium zu stehen. Als wir vor fast genau einem Jahr die Idee für diesen Fachtag in &#8230;<p class="read-more"> <a class="" href="https://patasona.de/einfuehrungsvortrag-zum-fachtag-trauma-und-gewalt/"> <span class="screen-reader-text">Einführungsvortrag zum Fachtag „Trauma und Gewalt“</span>weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Fachtag „Trauma und Gewalt“<br> am 15.06.2018 in Berlin Lichtenberg<br> (Patric Tavanti)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br> Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr<br> geehrte Referentinnen und Referenten, sehr geehrte Frau Stadträtin<br> Framke,<br> ich freue mich sehr, heute hier vor diesem großen Auditorium zu stehen.<br> Als wir vor fast genau einem Jahr die Idee für diesen Fachtag in der<br> großen Regio 3 hatten, gingen wir von vielleicht 30 Teilnehmerinnen und<br> Teilnehmern aus. Vier Mal mussten wir im Verlauf der Vorbereitungen<br> aufgrund des großen Interesses den Veranstaltungsort wechseln. Und<br> ich freue mich, dass die blu:boks uns so herzlich aufgenommen und uns<br> ihre Räume zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank!<br> Ich möchte mich auch bei der Landeskommission Berlin gegen Gewalt<br> für die finanzielle Ausstattung des Fachtags bedanken. Und bei den<br> Referentinnen und Referenten, die uns ihre Zeit, ihre Erfahrung und ihr<br> Wissen zur Verfügung stellen. Alle leisten in ihrer Arbeit als<br> Therapeut<em>innen, Traumafachberater</em>innen und Sozialarbeiter<em>innen einen wichtigen Beitrag in der Betreuung und Begleitung von traumatisierten Menschen, einige von ihnen sind international gefragte Fachleute. Vielen Dank, dass Sie heute hier sind! Ein herzliches Dankeschön auch an die vielen Helferinnen und Helfer, die uns bei der Organisation, Durchführung und Dokumentation dieses Fachtags unterstützen. Und ebenso an das „Medienkompetenzzentrum Die Lücke“ und den Caritasverband Berlin, die als Träger diesen Fachtag ausrichten. Nicht zuletzt geht mein ganz besonderer Dank an Frau Brigitte Gondek. Brigitte, ohne Deine Intuition, Initiative und Dein unermüdliches Engagement wäre dieser Fachtag nie zustande gekommen. Ich habe die Ehre und Freude, den Eröffnungsvortrag übernehmen zu dürfen. Ich will ganz unwissenschaftlich beginnen. Ich hoffe, Sie sehen es mir nach. Wir werden heute sehr viel über Psychotraumata sprechen, über den Umgang mit den Betroffenen, über die Opfer und die Täterinnen und Täter, über ihre Angehörigen und die Schwierigkeiten und Herausforderungen für Betroffene und Helferinnen und Helfer, die ein Leben mit einem Psychotrauma bedeuten. Wir werden viel über Leid, Angst, Wut und Verzweiflung hören, über individuelle Schicksale. Für viele von uns gehört es zur täglichen Arbeit, mit traumatisierten Kindern, Jugendlichen, Frauen, Männern, Geflüchteten, Seniorinnen und Senioren umzugehen. Unser Auftrag ist, ihnen zu helfen. So ergibt sich oft in unserer Wahrnehmung der Welt ein tiefer Graben zwischen denen und uns, zwischen Hilfesuchenden und Helfenden. Das kann, und wenn auch nur unbewusst, schnell zu einem noch tieferen Graben und zu einer noch verzerrteren Wahrnehmung führen: zu Opfern und Retterinnen und Rettern. Doch es geht heute und hier nicht nur um Opfer und Helferinnen und Helfer, es geht nicht nur um persönliche und individuelle Schwierigkeiten und Störungen. Ja, in der ICD-10, der „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“ der WHO ist eine traumatische und posttraumatische Reaktion als Störung klassifiziert, als etwas, das eine „deutliche Abweichung von der gesellschaftlichen oder medizinischen Normvorstellung psychischer Funktionen“ bedeutet. (http:// www.doccheck.com) Und der Graben wird in unserer Wahrnehmung noch tiefer: Dort die Kranken, die Abweichler, die Gestörten, hier wir, die Normalen, die Richtigen, die Guten, die Gesunden. Von Jiddu Krishnamurti ist das Zitat überliefert: „Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein.“ Eine Gesellschaft, in der über 30 % aller Kinder psychische und/oder physische Gewalt in der Familie erleben, in der 58% der in einer Prävalenzstudie (Schröttle 2004) befragten Frauen angaben, schon einmal sexualisierte Belästigung und über 13% sexualisierte Gewalt erfahren zu haben – und in der allgemein davon ausgegangen wird, dass jedes 4. bis 5. Mädchen und jeder 12.-14. Junge in Kindheit oder Jugend sexuelle Übergriffe erlebt hat, in der Aggression, Mobbing und Ausgrenzung zum täglichen Leben gehören, in der Eltern noch heute sagen „ich wurde von meinen Eltern auch geschlagen und es hat mir nicht geschadet“, eine solche Gesellschaft ist zu tiefst krank. Wir wissen heute, dass Psychotraumata von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, nicht nur durch die Weitervermittlung von Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmustern, sondern auch genetisch. In uns allen sind durch den ersten und zweiten Weltkrieg, durch Gewalterfahrungen, durch Unfälle und Katastrophen traumatisch veränderte Gene aktiv und beeinflussen unser Leben, unsere Beziehungen, unsere Wahrnehmung der Welt, unsere Einstellung zum Leben selbst. Und wir wissen es nicht, wir denken, so, wie wir die Welt erleben sei normal. Wir lesen blutrünstige Krimis, sehen gruselige Horrorfilme, zucken bei den Nachrichten über Krieg, Verfolgung, Hunger nur mehr mit den Schultern. Und verstehen nicht, dass unsere Normalität gerade nicht normal ist, sondern ein Symptom für eine „deutliche Abweichung unserer psychischen Funktionen“, um noch einmal die Definition der ICD 10 aufzugreifen. Jean Liedloff beschreibt in ihrem Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück: Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit“ eine ganz andere Normalität, eine ganz andere Gesellschaft. Sie berichtet von einem Indianerstamm, den Yequana, der in den Tiefen des Urwaldes des Amazonas lebt. Ein Stamm, der ein Leben ohne Angst und Entfremdung, ohne Wettstreit und Aggression, ein Leben ungebrochener Daseinslust, des Friedens mit sich und den anderen lebt. Die Gemeinschaft ist hochentwickelt, gegründet auf Vertrauen und unbedingten Respekt vor dem Willen und der Würde des anderen. Alle helfen einander ohne Gegenleistungen zu erwarten. Jeder arbeitet, so lange er Lust hat, wenn ein anderer noch weiter Lust hat, arbeitet er eben länger als der andere, einfach, weil er Freude daran hat. Wobei die Yequana nicht mal ein Wort für Arbeit haben, wie wir es kennen und verstehen, zwischen Tanzen, Singen und Feldarbeit gibt es keinen sprachlichen Unterschied. Warum auch? Es gibt unter ihnen keinen Druck, keinen Zwang, keine Manipulation – und keine Notwendigkeit zum Streit; keine abfälligen Urteile über persönliche Eigenheiten, Toleranz auch für ungewöhnliches Verhalten. Auch Kindern gegenüber gilt dieser Respekt. Eine aktive Erziehung in unserem Sinne erhalten sie kaum; sie lernen selbsttätig durch Beobachtung und Imitation. Die Kinder sind immer mit dabei, bei der Arbeit, beim Kochen, beim Feiern. Die kleinsten sind in einem Tuch seitlich an der Hüfte der Mutter immer in Körperkontakt. Liedloff beschreibt, dass die Kinder der Yequana in ihrer Entwicklung nichts als unerledigt, unbefriedigt abspalten müssen, um überleben zu können. Sie müssen nicht ihre Lebensenergie blockieren mit der Abwehr gegen unbewusste Angst und verdrängte Wut, die sie dann als Erwachsene ausagieren müssten. Sie sind nicht durch eine westlich-zivilisierte Erziehung auf das Unglücklichsein in einer grundsätzlich feindseligen Welt programmiert worden wie der moderne Zivilisationsmensch mit seinen neurotischen Spannungen, psychosomatischen Krankheiten und latenten Selbstmordtendenzen, wie Hans Krieger es in einem Artikel über Liedloff in der Zeit auf den Punkt bringt. Wilhelm Reich postulierte, dass der Mensch eine durch Selbstregulierung wirkende natürliche Sozialität besitze, die nur tief verschüttet sei durch die Tradition der Unterdrückung; erst diese Unterdrückung lasse die Triebe zur Bösartigkeit pervertieren. Hans Krieger fragt in seinem besagten Artikel von 1981: „Sollte im Schöpfungsplan doch vorgesehen sein, dass der Mensch glücklich sei?“ In der Apostelgeschichte heißt es: Sie waren „ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. (…) Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, (…) Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.“ (AG 4,32-35, EÜ 2016) Und Paulus schreibt in seinem Brief an die Kolosser: „Einst war auch euer Lebenswandel von solchen Dingen bestimmt, ihr habt darin gelebt. Jetzt aber sollt auch ihr das alles ablegen: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und schmutzige Rede, die aus eurem Munde kommt. Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt und habt den neuen Menschen angezogen (…) da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden, Beschnittene und Unbeschnittene, Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie (…) Bekleidet euch also (…) mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! (…) Seid dankbar! (Kolosser 3, 8-15) Warum erscheinen uns solchen Aussagen über die Möglichkeit des menschlichen Zusammenlebens als süßlich-kitschige Utopie, über die wir milde den Kopf schütteln oder sogar mit Wut und Ablehnung reagieren? Warum fühlen wir uns in einer Gesellschaft, in der Hierarchie, Gewalt, Ausgrenzung, Ausbeutung, Verachtung, Vergeltung und Krieg unser Leben bestimmen, wohler? Haben wir es uns im Trauma eingerichtet, fühlen wir uns in einem „normalen Zustand von Traumatisierung“ so zuhause, dass nur noch die, die sich darin nicht zu Hause fühlen als krank gelten, obwohl doch ihre Reaktion eher als gesund anzuerkennen ist? Nelson Mandela sagte einmal: „Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.“ Vergessen wir heute nicht, dass hier nicht Expertinnen und Experten mit Helferinnen und Rettern sprechen, sondern Kranke zu Kranken</em>, die sich<br> in erster Linie erst einmal selbst helfen müssen, bevor sie auch anderen<br> helfen können.<br> Und bei allem Trauma, vergessen wir nicht auch zu träumen. Ich<br> wünsche uns allen einen erkenntnisreichen und guten Tag.</p>
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