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	<title>Natur &#8211; patasona</title>
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		<title>Das Wort der Tla-o-qui-laht-Indianer für Wildnis ist Zuhause!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[patasona]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Jun 2019 15:35:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Während der Tage der Initiation, der Men´s Rites of Passage, im September 2015 hieß es trotz Temperaturen um die 8o C zu Beginn der Rituale: „Männer, macht den Oberkörper frei und zieht Schuhe und Strümpfe aus!“ Diesmal, beim FIRMing in der Nacht zum 1. Mai 2016, hieß es in der letzten Rundmail: „Männer, zieht euch &#8230;<p class="read-more"> <a class="" href="https://patasona.de/das-wort-der-tla-o-qui-laht-indianer-fuer-wildnis-ist-zuhause/"> <span class="screen-reader-text">Das Wort der Tla-o-qui-laht-Indianer für Wildnis ist Zuhause!</span>weiterlesen</a></p>]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Während der Tage der Initiation, der Men´s Rites of Passage,
im September 2015 hieß es trotz Temperaturen um die 8<sup>o</sup> C zu Beginn
der Rituale: „Männer, macht den Oberkörper frei und zieht Schuhe und Strümpfe
aus!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal, beim FIRMing in der Nacht zum 1. Mai 2016, hieß es
in der letzten Rundmail: „Männer, zieht euch warm an! Es wird kalt!“ Nächtliche
Temperaturen um den Gefrierpunkt waren angekündigt worden. Ich war also
vorgewarnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">28 Männer, Teamer und Teilnehmer, fanden sich an der
Forsthütte in der Nähe von Leinefelde ein. Schon auf dem einstündigen Fußmarsch
vom Sammelpunkt zur Hütte, den jeder für sich alleine ging, wurden wir auf das
Kommende eingestimmt. Ich wurde von einem Hüter empfangen, willkommen geheißen
und mit Räucherwerk gereinigt, bevor ich die Schwelle, einen kleinen Bach, von
der Alttagsrealität in die besondere Realität überqueren durfte. Schon die nächste
Aufgabe verdeutlichte, dass es hier nicht um einen gemütlichen Spaziergang
ging: Es ging durch einen Geburtskanal, einen dunklen Tunnel, durch
knöchelhohes eisiges Wasser. Der Kälteschmerz durchzog schnell den ganzen
Körper. Auf der anderen Seite des Geburtskanals waren Frotteetücher zum
Abtrocknen bereitgelegt worden. Und dies war schon ein Zeichen für die
besondere Atmosphäre des ganzen FIRMing-Wochenendes: Es wird von dir schon ein
gewisser körperlicher Einsatz gefordert, du hast auch die Möglichkeit, deine
Grenzen auszutesten, Kälte, Hunger, Schlafmangel gehören dazu. Aber immer
kannst du dir sicher sein, dass die Hüter für dich da sind, dir ein Tuch zum
Abtrocknen bereitlegen, dir eine wärmende Decke mitgeben, dich mit heißen
Kaffee und frischem Rührei bei deiner Rückkehr willkommen heißen. Und so weißt
du auch in der Zeit allein im Wald, dass du Teil einer Gemeinschaft bist, dass
du begleitet, ja, behütet bist. Männlich behütet, geradeheraus, handfest, aber
liebevoll und mitfühlend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend gab es erste Rituale, gemeinsames Trommeln, eine
kurze Einführung in das Geschehen, das uns erwarten würde und wir erwarten könnten,
Gespräche am Lagerfeuer und dann eine erste Nacht im Basiscamp, zum
„Eingewöhnen“ noch im eigenen Zelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am nächsten Morgen ging es nach einem letzten Ritual in den
Wald. Ein Reh wies mir den Weg und ich folgte ihm in eine Schonung junger
Buchen. Ich fand einen schönen Platz am Rande einer Lichtung. Zwischen drei
Bäumen schlug ich mein Tarp auf; nicht ohne vorher Bäume, Kräuter, Blumen,
Tiere und Mutter Erde zu fragen, ob ich für diesen Tag und eine Nacht in ihrer
Gemeinschaft verweilen durfte. Da es keinen Widerspruch gab, richtete ich mich
ein. Es war vielleicht kurz nach 9 Uhr, als ich nach einem Gebet auf einen Baum
kletterte und mich in eine Astgabel stellte. Ich verschmolz fast mit dem Baum
und stand Stunden an den Stamm gelehnt einfach nur da. Ich hörte die Vögel,
spürte den leichten Wind und die Sonne auf meiner Haut, sah mal etwas nach
links, mal nach rechts, die meiste Zeit aber einfach nur mit einem recht
defokussierten Blick gerade aus. Ich beobachtete den Zug der Wolken, zwei
Krähen, die in weiten Kreisen über den Wald flogen, die Käfer, Fliegen, Ameisen
und Mücken, die an mir herumkrabbelten… und so vergingen Stunden, in denen ich
kaum einen bewussten Gedanken hatte. Ich stand einfach nur im Baum und nahm
meine Umgebung war, so wie er, der Baum, es vielleicht auch tat. Ich hatte ein
Notizbuch dabei. Ich hatte verschiedene Gebete extra aufgeschrieben und
mitgenommen, um sie hier in dieser Solo-Zeit in und mit der Mitschöpfung zu
beten. Ich hatte mir vor der Abfahrt Fragen notiert, die ich hier für mich
bewegen wollte… Doch stattdessen stand ich nur in der Astgabel, zwei Meter über
dem Boden und blickte über die Lichtung. Als die Sonne schon langsam unterging,
wurde mir bewusst, dass ich den ganzen langen Tag kaum mehr getan hatte, als im
Baum zu stehen, zu hören, zu spüren und zu sehen. Nun wollte ich doch noch
etwas tun: ich betete für und mit den Bäumen, Pflanzen, Tieren und den
Elementen den Sonnengesang des Franziskus und ein Vaterunser, während über mir
ein Bussard kreiste und seinen Ruf in meinen Atempausen erklingen ließ. Obwohl
es noch hell war, zog ich mich bald in meinen Schlafsack zurück, da es schon
recht kühl wurde, und schlief schnell ein. Des Nachts wurde ich immer wieder
wach, da ich in meinem zu dünnen Sommerschlafsack trotz Fleecejacke,
Handschuhen, Mütze, dicken Socken und der Decke, die wir von unseren Hütern mit
auf den Weg bekamen, unglaublich frohr. Mich beschäftigte im Halbschlaf, wie
ich mich so tief in den Schlafsack verkriechen konnte, dass ich dennoch von der
aufgehenden Sonne am Morgen geweckt würde, um nicht zu spät im Lager an der
Forsthütte zurückzusein. Ich träumte nicht von Wäldern und Tieren, sondern von
Städten, verpassten Bussen, beruflichen Herausforderungen eines Puppenspielers
und Reisebekanntschaften in Hotels… die Träume schienen mir in ihrer
alltäglichen Alltäglichkeit so irreal während ich zwischen Buchen, Blättern und
Moosen zitterte und versuchte, wieder einzuschlafen. Und doch war mir irgendwie
bewusst, dass ich sie mir merken sollte, da sie einen verborgnenen Sinn hatten,
den es später noch zu entschlüsseln galt. Die Sonne stand schon über den Bäumen
als ich aufwachte. Schnell packte ich meine Sachen, verstreute noch meine
Dankesgabe (Reis und Haferflocken) für Mutter Erde, segnete alle Bäume und
Kräuter und Tierchen, die mich in den letzten 22 Stunden in ihrer Mitte
aufgenommen und begleitet hatten, betete ein Vaterunser und brach auf, um ins
Lager zurückzukehren. An der Schwelle zum Lager zwischen der
Mehr-als-Menschlichen-Welt und der Menschlichen-Welt warteten drei Hüter und
empfingen mich herzlich. Am offenen Feuer wärmten sich die anderen Männer. Das
Wasser für die Morgenwäsche war in der Nacht gefroren und wir warteten ein
wenig, bis die Sonne das Eis im Tank geschmolzen hatte. Der über offenem Feuer
gekochte Kaffee und das frische Rührei schmeckten und wärmten uns. Später kamen
wir in kleinen Gruppen zusammen, um uns unsere Geschichten, unsere Erlebnisse
zu erzählen. Durch das Teilen mit den anderen und das Spiegeln durch einen der
Hüter wurde manches klarer oder sogar erst bewusst, was man in den letzten 24
Stunden „allein“ im Wald erlebt und erfahren hatte. Jede Geschichte war
einzigartig und doch schienen alle miteinander verwoben in eine größere
Geschichte. Auf der Heimfahrt musste ich immer wieder an den Satz eines Hüters
denken: Die Tla-o-qui-laht-Indianer haben kein Wort für Wildnis, sie nennen sie
Zuhause. </p>
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